Gibt es Tierversuche in Österreich?
Ja, in Österreich werden zahlreiche Tierversuche durchgeführt. Mitte der 90er Jahre war noch eine Abnahme der Anzahl durchgeführter Tierversuche zu beobachten, doch diese Tendenz hatte nicht lange Bestand. 1999 wurden 130’295 Tiere für Versuchen herangezogen und auch danach stieg die Zahl über die folgenden Jahre weiter an. 2003 war erstmals wieder ein leichter Rückgang zu bemerken. Dieser Trend hielt leider nicht an: 2004 waren es 187’336, 2007 gar 197'867 Versuchstiere, die für uns Menschen ihr Leben lassen mussten. Die tatsächliche Anzahl Tierversuche ist jedoch um einiges höher, da viele Versuche, wie z.B. Tests an Föten und Embryonen, von den Behörden nicht gezählt werden. Schätzungen zufolge werden jährlich weit mehr als 115 Millionen Tiere für Versuche verwendet.
Wofür werden Tierversuche durchgeführt?
Tierversuche werden vor allem in der medizinischen und der pharmakologischen Forschung, im universitären Bereich und in der pharmazeutischen Industrie durchgeführt. Außerdem werden diese Tests auch in der chemischen und kosmetischen Industrie, in den Bereichen Weltraumfahrt und Militär sowie in der Ernährungs- und Umweltforschung eingesetzt. Viele Tiere, darunter auch Primaten, werden in der sogenannten „Grundlagenforschung“ eingesetzt. Dieses Forschungsgebiet dient dazu, die grundlegenden Zusammenhänge der Natur zu erforschen, ohne konkreten Bezug zu einer Anwendung, die der Gesundheit oder der Sicherheit des Menschen nützlich sein könnte.
Welche Tiere werden für Tierversuche eingesetzt?
Es gibt im Grunde kaum eine Tierart, die nicht im Tierversuch verwendet wird. Mäuse, Ratten und Kaninchen stellen gemeinsam jedoch über 90 Prozent der in Österreich verwendeten Labortiere dar. Aber auch Meerschweinchen, Hamster, Katzen, Hunde, Pferde, Esel, Schweine, Ziegen, Schafe, Rinder, Affen, Vögel, Amphibien und Fische werden für verschiedene Versuche verwendet. Skurrilerweise wurden 1998 in Österreich erstmals auch vier Geparden für Tierversuche eingesetzt. Wofür an diesen Tieren getestet wurde, wird seitens der zuständigen Behörden nicht angegeben.
Was bedeutet ein Tierversuch für das Tier?
Bei Giftigkeitstests wird zum Beispiel eine Substanz über eine Sonde in den Magen des Versuchstieres gepumpt oder über Nahrungsmittel zugeführt. Beim Tier führen solche Toxizitätstests zu Krämpfen, schweren Bauchschmerzen, Durchfall und Zittern; es kann auch zu Blutungen aus Augen, Mund oder Genitalien kommen sowie zu unkontrolliertem Erbrechen und Lähmungserscheinungen, Leberfunktionsstörungen bis hin zu Koma oder Tod. Aber nicht nur die Versuche selbst, sondern auch die Haltungsbedingungen sind für die Tiere trostlos und oft grausam. Nicht selten werden soziale Tiere isoliert gehalten, immer in steriler Umgebung und dauerhaft unter künstlichem Licht. Und damit stets genügend Tiere für Versuche zur Verfügung stehen, wird permanent Nachwuchs produziert, der bei Nichtgebrauch getötet und entsorgt wird.
Gibt es Alternativen zu Tierversuchen?
Ja, die gibt es und es zeigt sich, dass diese Methoden ethisch vertretbar und weit genauere und effizientere Ergebnisse hervorbringen als das Modell Tierversuch. Aufgrund der rasanten Entwicklung in der Forschung könnten Tierversuche inzwischen durch Zell- und Gewebekulturen, künstliche Organmodelle oder durch Computersimulationen und andere bildgebende Verfahren ersetzt werden. Vor allem die verstärkte finanzielle Förderung für die Entwicklung von Alternativmethoden ist eine der Hauptforderungen an Wirtschaft und Politik. Aber nicht nur das: die bereits vorhandenen Alternativen müssen bekannter gemacht und vom Gesetzgeber vorgeschrieben werden.
Wo liegt der Unterschied zwischen Versuchen an Tieren und tierversuchsfreien Methoden?
Die Unterschiede zwischen Mensch und Tier in Anatomie und Physiologie erlauben es nicht, die am Tier gewonnenen Erkenntnisse auf den Menschen zu übertragen. So ist zum Beispiel Penicillin für Hamster und Meerschweinchen hochgiftig, für den Menschen aber ein oftmals lebenswichtiges Medikament. Der Vorteil der Alternativmethoden ist, dass sie speziell für den Menschen konzipiert werden, das heißt, die erzielten Ergebnisse sind auch wirklich für den menschlichen Organismus relevant.
Wie schaut die Zukunft im Bereich Tierversuche aus?
Vor allem im Bereich Gentechnik ist in den nächsten Jahren mit einem weiteren massiven Anstieg an Tierversuchen zu rechnen. Die Forschung bemüht sich, Tiere zu „verbessern“ und mittels Genmodifikationen an die Bedürfnisse des Menschen anzupassen. Die "Herstellung" transgener Tiere geht mit einem enormen Verschleiß an Labortieren einher, da viele der „erzeugten“ Tiere nicht die gewünschten Merkmale aufweisen und mehrere Generationen für die „Herstellung“ des gewünschten Versuchstieres benötigt werden. Aber auch für die neue EU-Chemikalienpolitik REACH werden in den nächsten Jahren Millionen Tiere ihr Leben lassen müssen, wenn nicht endlich die nötigen Schritte seitens der Politik zum vermehrten Einsatz von Alternativmethoden gesetzt werden.
Gibt es gentechnisch veränderte Tiere in Österreich?
Ja, in Österreich gibt es gentechnisch manipulierte Labortiere, die auch "transgene" Tiere genannt werden. Hier wird versucht, Gene in den Organismus einzuschleusen bzw. aus einem solchen herauszulösen, um den Tieren bestimmte Eigenschaften zu geben oder zu nehmen. Mäuse ohne Immunsystem oder unter UV-Licht strahlende Tiere sind nur ein kleiner Auszug aus dem weltweiten „Gentech-Gruselkabinett“.
Was ist das Ziel von VIER PFOTEN in diesem Bereich?
Aufgrund ethischer und wissenschaftlicher Bedenken setzt sich VIER PFOTEN für ein Ende der Tierversuche ein. Durch einen vermehrten Einsatz von Alternativmethoden können nicht nur Millionen Labortiere, sondern auch Mensch und Umwelt besser vor gefährlichen Substanzen geschützt werden.
Mehr zum Thema Tierversuche und anderen Tierschutzthemen finden Sie unter www.vier-pfoten.org